Datschensiedlungen
Eine Datschensiedlung ist eine der meistverbreiteten Varianten des Datschenhaushaltes. Einige der Siedlungen der Datschen haben große und bekannte Namen – und es wird als Ehre empfunden, seine Datsche hier zu haben. Viele der Siedlungen sind nicht über die Gruppe der Datschen-Eigentümer hinaus bekannt. Allen Datschen-Siedlungen ist jedoch einst zumeist gleich: Sie sind wie ein Dorf am Dorfrand, die Bewohner sind meist eine eingeschworene Gemeinschaft. Man lebt zusammen, feiert zusammen und trifft sich. Einige der bekannten Siedlungen von Datschen möchten wir vorstellen.
Jede Datschensiedlung hat eine ganz eigene Geschichte. Natürlich sind nicht alle Geschichten ungewöhnlich und trotzdem wird man sie hören, ist man zu Gast in einer der Datschen dieser Siedlungen. Bei einem Glas Wodka werden Geschichten erzählt vom Bau der Siedlung, ihren Festen, der Menschen die hier leben – und sei es auch nur über das Wochenende. Die Datschensiedlungen waren Ersatz für die Dorfstruktur, die in der Zeit der Industrialisierung in den russischen Gebieten für diejenigen verloren gingen, die in die Stadt zum Arbeiten mussten. Datschen waren auch zu dieser Zeit wichtig – auf den kleinen Grundstücken versorgten sich die Wochenend-Bauern mit notwendigen frischen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse. Uns so war – und ist – es oft so, dass die Großeltern in den Sommerferien auf der Datsche auf die Kinder aufpassen und den Garten bestellen, während die Kinder in der Stadt arbeiten müssen und Obst und Gemüse aus der Stadt über Schleichwege wie die Mitnahme in den Electrischkas zum Bahnhof gefahren bekommen.
Unabhängig davon und vom Stoltz jedes einzelnen Datschenbesitzers auf seine Siedlung: Teil einiger bekannter Datschensiedlungen zu sein gilt bis heute als Privileg. So wäre ein jeder Literat glücklich, eine Datscha in Peredelkino zu besitzen, der Datschensiedlung, die von Maxim Gorki gegründet wurde. Wer gar ein Stückchen Land in der Datschensiedlung Rubljowka bei Moskau ergattern kann, der gehört wahrscheinlich zur Nomenklatura von Russland. Die Prachtbauten, die hier noch zärtlich Datsche genannt werden, sind eigentlich Luxusferienhäuser am Stadtrand von Moskau mit eigenem Personal.
Die Datschensiedlungen sind nicht wirklich vergleichbar mit Ferienhaussiedlungen. Viel näher kämen sie den deutschen Schrebergärten – trotz strikter Organisation und verschworener Gemeinschaften jedoch ohne den Verwaltungszwang verschiedener Schrebergartenvereine. Und so sind die russischen Datschensiedlungen Ausdruck des Selbstgefühls der Russen mit ihrer Verbundenheit zu Familie, Dorf und Natur. Datschensiedlungen – die ganz anderen Ferienhäuser im Osten von Europa.
Foto: Ilya Kalachev
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